Was ist Nordic Walking?
Nordic Walking könnte man am Besten als eine Mischung zwischen
Joggen, Gehen und Langlaufen bezeichnen. Es ist eine
Sommersportart, die ursprünglich in Finnland als - eine den
Sommer überbrückende - Trainingsmethode für Spitzen-Athleten der
Sportarten Langlauf, Biathlon und Nordische Kombination
entwickelt worden ist. Um auch im Sommer das Training mit
Langlaufstöcken, das aufgrund der Struktur der aufgezählten
Sportarten erforderlich ist, durchführen zu können, wurde
einfach das schnelle Gehen mit aktivem,
schwung-vollem Stockeinsatz eingeführt. Nachdem sich die
Effektivität im Hochleistungsbereich unter Beweis gestellt
hatte, wurde die Sportart im Frühjahr 1997 der Öffentlichkeit
vorgestellt. Was folgte, war eine, im Rahmen des Fitnessbooms,
rasend schnelle Verbreitung über Skandinavien in die USA, Japan,
Mitteleuropa nach Deutschland.
Die Vorteile des Nordic Walkings gegenüber Jogging oder
anderen Ausdauersportarten wurden schnell deutlich. Bei
richtiger Technik ist es ein Ganz-körpertraining, dass nicht nur
die Funktionsfähigkeit des gesamten Organismus verbessert.
Nordic Walking ist dabei auch gelenkschonender und, durch die
hohe Muskelbeteiligung (90 Prozent, also etwa 600 Muskeln), und
sorgt für einen höheren Energie-Verbrauch als das normale
Walken. Die Verbreitung und der Bekanntheitsgrad als eine
verträgliche Ausdauersportart, vor allem auch für ältere
Sportler, denen das Joggen nicht mehr möglich ist, erfährt
weiterhin starke Zuwachsraten.
Vorteile des Nordic Walkings
Das regelmäßige Betreiben der finnischen Sportart hat positive
Auswirkungen auf unseren Körper. Dadurch, dass die
Belastungsspitzen in Gelenken und Knochen deutlich geringer sind
als beim Joggen oder auch beim Walken ohne Stockunterstützung,
ergeben sich die Vorteile gegenüber diesen Formen des
Ausdauer-Trainings. Im Folgenden sollen die physiologischen und
psychologischen Trainingseffekte eines Nordic Walking Programms
detailliert aufgeführt werden. Hierbei sind
sieben Körperfuntionen besonders herauszuheben:
1.
Bewegungsapperat
2.
Herz-Kreislauf-System
3.
Atmung
4.
Stoffwechsel
5.
Immunsystem
6. Nerven- und Hormonsystem
7.
Psyche
1. Bewegungsapperat
Der Bewegungsapperat teilt sich grob in Muskeln, Sehnen/Bänder
und Knochen/Gelenke auf. Die Aus-wirkungen auf das Muskelsystem
beziehen sich vor allem auf die Verbesserung der
Leistungsfähigkeit. Diese resultiert aus der Erhöhung der
Sauerstoff-Aufnahmefähigkeit der ST-Muskelfasern (langsam
kontrahierende Fasern, die bei längerfristigen Leistungen
beansprucht werden), einhergehend mit der Vermehrung der Anzahl
von Mitochondrien (Kraftwerke der Muskelzellen), die für einen
verbesserten Stoffwechsel und eine erhöhte Ermüdungsresistenz
sorgen. Die Bildung von Kapillaren, den kleinsten Blutkanälen,
sorgt für eine vermehrte Durchblutung der Muskulatur, die einen
besseren Sauerstoffaustausch und verbesserte Energieproduktion
zur Folge hat. Beim Nordic Walking wird in etwa 90 Prozent der
Körpermuskulatur beansprucht. Das bedeutet, dass durch den
zusätzlichen Stockeinsatz auch die zur Abschwächung neigende
Rücken-, Schulter-, Nacken-, Hals-, Arm- und Brustmuskulatur
einen Trainingseffekt erfahren und dem, auch altersbedingten,
Abbau vorgebeugt wird. Die positiven Auswirkungen eines Nordic
Walking-Trainings auf Bänder und Sehnen beziehen sich
hauptsächlich auf eine Verbesserung der Versorgung und
Durchblutung. Diese resultiert aus einer
kontinuierlichen Belastung, die das Nordic Walking hervorbringt,
und somit der dauerhaften Anpassung des Band- und Sehnenapperats
an auftretende Kraftverhältnisse. Auch Knochen und Gelenke
erfahren positive Veränderungen. Durch ein regelmäßiges Training
kommt es ebenfalls zu einer besseren Versorgung mit
Mineral- und Ernährungsstoffen. Da diese durch Diffusion die
Gelenke ernähren und eine Diffusion durch Bewegungen gefördert
wird, ist eine langfristiges, vollamplitudiges (über den
gesamten Bewegungsspielraum) Nordic Walking-Training sehr
empfehlenswert.
2. Herz-Kreislauf-System
Das Herz-Kreislauf-System erfährt durch Nordic Walking eine
große Anzahl positiver An-passungserscheinungen. Zunächst kommt
es durch Vermehrung der roten Blutkörperchen zu einer erhöhten
Sauerstoff-Transportkapazität. Dieses führt zu geringerem
Ruhepuls, Belastungspuls und Blutdruck - was eine Entlastung des
Körpers bedeutet. Gerade eine verringerte Thrombosegefahr und
eine Erhöhung des Herzvolumens, verbesserte Durchblutung und
Sauerstoffversorgung des Herzens sind positive Auswirkungen, die
den Ausdauersport auch für ältere Menschen interessant machen.
Durch die Erhöhung der Lebenserwartung der Gesellschaft sind
Herzinfarkte, Krampfadern oder Verschluss-Krankheiten akute
Probleme, denen entgegengewirkt werden kann. Eine Erleichterung
des venösen und arteriellen Blutstroms führt hier zu einer
verbesserten
Schutzfunktion.
3. Atmung
Jeder Mensch atmet in Ruhe ungefähr 24.000 Mal am Tag. Dieser
Wert kann durch ein Nordic Walking-Ausdauertraining deutlich
reduziert werden. Durch eine Erhöhung der Vitalkapazität der
Lunge (größere Leistungsfähigkeit des Atmungsorgans), einer
Ökonomisierung der Atmung (geringere Steigerung der
Atemfrequenz unter Belastung) und einer erhöhte
Sauerstoffaufnahme werden äußerst wichtige positive Effekte
erzielt, die primär bei regelmäßigem Training auftreten. Auch
eine verbesserte Versorgung des Lungenorgans an sich, durch
Durchblutungsvorteile und Weitung der Lungenvenen und
-arterien, steigert die
Funktionsfähigkeit.
4. Stoffwechsel
Vor allem für die heutzutage immer zahlreicher auftretenden
Cholesterin-Problemfälle kann Nordic Walking ein probates
Gegenmittel sein. Das Training geht mit dem Absinken erhöhter
Blutfettwerte (Triglyceride) und des für den Körper schädlichen
LDP-Cholesterins einher, so dass kontinuierliches, sanftes
Training für solche Patienten eine Zustands-Verbesserung zur
Folge hat. Auch zur Vorbeugung der Altersdiabetes, aufgrund der
verringerten Insulin-Empfindlichkeit, trägt das sportliche
Betätigen bei. Dass der Stoffwechsel zum Energieaufbau
(Glykolyse, Zitronensäurezyklus, Atmungskette) durch
Ausdauer-Training positiv verändert wird und somit schneller und
länger mehr Energie bereitgestellt werden kann, ist für unsere
Leser sicherlich auch kein Geheimnis mehr.
5. Immunsystem
Nordic Walking trägt wie andere Ausdauersportarten zur Stärkung
des Immunsystems bei. Die Erhöhung der Antikörpermenge,
Steigerung der Anzahl der weißen Blutkörperchen (Lymphozyten,
Fresszellen) und der Killerzellen zur Bekämpfung von Viren und
Tumorzellen sind die wichtigsten Eigenschaften eines von
Ausdauersport aktivierten Körpers.
6. Nerven- und
Hormonsystem
Das Hormonsystem ist ein äußerst komplexes Gebilde, welches
hier nicht ausreichend dargestellt werden kann. Es soll das
Ziel sein, die positiven Reaktionen des nervalen und hormonellen
Organismus auf regelmäßiges Nordic Walking zu verdeutlichen.
Zunächst kommt es zur einer Optimierung der vegetativen
Regulation (raschere Erholung, positive Beeinflussung bei
Schlafstörungen, Nervosität und Konzentrationsschwäche).
Darüber hinaus wird eine erhöhte Leistungsfähigkeit durch eine
Ökonomisierung des hormonellen Systems, das heißt eine
gezieltere und besser gesteuerte Hormonausschüttung, erreicht.
Auch eine verbesserte Bewegungssteuerung durch eine
koordinative und konditionelle Anpassung zählt zu den wichtigen
Auswirkungen.
7. Psyche
Die psychischen Vorteile eines komplexen Ausdauertrainings sind
für das Wohlbefinden des Tätigen meist von ebenso großer
Bedeutung wie die körperlichen. Nach einem Nordic Walking-Gang
wird sich durch die körperliche Anstrengung und
Hormonausschüttung ein Wohlbefinden einstellen, man entwickelt
mit der Zeit ein entsprechendes Körperbewusstsein. Außerdem wird
durch den Sport, der Anfängern leicht zugänglich und zudem
einfach zu betätigen ist, ein Gesundheitsbewusstsein geschaffen,
dass mit besserer Ernährung und intensiverer Achtung vor dem
Körper einher geht, wenn man sich ernsthaft mit dem Sport
auseinandersetzt. Die Anpassung des Lebensstils an die
sportliche Aktivität sollte das erklärte Ziel sein, um die
körperlichen Auswirkungen auch komplett auf die Psyche
übertragen zu können. Daneben führt das Erleben der Natur und
der sozialen Kontakte beim Sporttreiben in der Gruppe zu einer
verbesserten psychischen Gesamtsituation.
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